Elektrische Rollläden nachrüsten

Wellenfedern lösen. Walzenkapsel abschrauben und in die Welle schieben.

Im Architektengespräch haben wir uns bewusst gegen elektrische Rollläden „ab Werk“ entschieden, da diese pro Fenster mit rund 350€ Mehrpreis zu Buche geschlagen hätten. Bei 12 Fenstern wären dass stattliche 4200€. Diese Preisgestaltung war für mich völlig weltfremd und daher rate ich allen massahaus Kunden mit etwas handwerklichem Geschick die Motoren selber nachzurüsten.

Es gibt unzählige Hersteller auf dem Markt, mitunter auch im Bereich von 10-30€. Ich persönlich würde trotzdem einen Markenmotor empfehlen. Ich selber habe mich für die TDEP der Firma Jarolift entschieden. Diese haben sowohl Blockiererkennung wie auch eine elektronische Endabschaltung und liegen mit rund 49€ noch im mittleren Preisbereich. Für alle Fenster bis auf das kleine Badfenster im Erdgeschoss kann der Typ TDEP 10/13 verwendet werden. Auch die großen bodentiefen Doppelfenster im Wohnbereich können mit 10 NM Drehmoment und 27kg Zugkraft problemlos gehoben werden. Für das kleine Badfenster habe ich einen Jarolift SL35 10/17 Mini  mit einem SW60 Wellenadapter bestellt. Die normalen Rohrmotoren sind zu lang für dieses Fenster. Alle Fenster unseres Lifestyle-Hauses haben eine SW60 Welle.

In der Theorie kann man die vorhandenen Wellen benutzen. Der Adapter des Kurbellagers ist aber breiter als der spätere Rohrmotor. Daher ist die Welle eigentlich zu kurz. Die vorhanden Walzenkapsel (der schwarze Plastikeinsatz welcher in das Kugellager auf der gegenüberliegenden Seite des Kurbellagers gesteckt wird) kann aber gerade noch so weit  herausgezogen werden, dass die Welle wieder breit genug ist. In diesem Fall muss sie mit 2-3 Schrauben so fixiert werden, dass die Welle nicht durchhängt. Wer sicher gehen will, sollte sich neue Wellen bestellen und diese auf die entsprechende Länge kürzen.

Weil ich etwas faul bin, habe ich noch ein Setzkabel bestellt.  Das macht den Einbau einfacher, zumal man im Ausbauhaus normalerweise noch keine Elektroinstallation während des Innenausbaus hat und den Rollladen somit nicht mit dem späteren Schalter bedienen kann. Natürlich kann man auch mit einem Stecker einem Stück kabel und einer Lüsterklemme den Rollladen hoch und runterfahren, aber umständlich ist das schon. Jetzt aber zur Durchführung:

1.Schritt: Fermacell-Platte entfernen

Wenn man sich das Leben schwer machen möchte, versucht man den Motor über den Revisionsklappe an der Unterseite zu installieren. Wie man durch diese schmale Klappe das Motorlager ordentlich anschrauben will weiß ich nicht. Angeblich haben es Leute geschafft. Ich für meinen Teil habe im ersten Schritt die Fermacell-Platte des Rollladenkastens entfernt. Diese ist zum einen festgenagelt und zum anderen geklebt. Mit einem Hammer und einer Spachtel kann man den Bereich zwischen den Nägeln lösen (siehe Bild). Danach mit einem Speitel vorsichtig die Fermacell-Platte heraushebeln. Nicht mit Gewalt! In diesem Fall bricht das Fermacell zu 100%. Vorher macht es natürlich noch Sinn, die Revisionsklappe und die Styropordämmung zu entfernen. An der Fermacell-Platte sind seitlich noch zwei halbrunde Styroporteile verklebt. Mitunter können diese beim abhebeln beschädigt werden. Ich habe sie später einfach wieder mit etwas Acryl zusammengeklebt.

2. Schritt: Welle entfernen

Zuerst den Rollladen mit der Kurbel ganz herunterlassen bis die Schrauben der Wellenfedern nach außen zeigen (siehe Bild). Die Wellenfedern nun alle lösen. Danach die Halterung der Kurbel lösen und die Kurbel nun einfach herausziehen. Die Welle lässt sich nun drehen.  An der Walzenkapsel die Schrauben lösen und in die Welle schieben. Die Welle lässt sich nun herausnehmen. Ich habe das Kugellagen in der Halterung gelassen.

3. Schritt: Kurbellager entfernen und Motorlager anbringen

Mit einem Stift habe ich nun das vorhandene Kurbellagen umrahmt. Beim ersten Rollladen habe ich mir nun aus Pappe eine Schablone gebastelt um die Bohrlöcher für das Motorlager markieren zu können. Diese kann man nun an die angezeichnete Position des alten Kurbellagers anlegen. Ausmessen in dem engen Kasten ist fast unmöglich. Anhand der Markierungen habe ich nun das Motorlager (in diesem Fall ein Flachlager) angeschraubt (siehe Bild).

4. Schritt: Rohrmotor in die Welle einbauen

Der blaue Wellenadapter für das Kurbellager wird nun entfernt und der Rohrmotor laut Anleitung in die Welle geschoben. Ich habe dabei die Welle mit der Falz nach unten gelegt und den Motor mit dem Setzkabel etwas gedreht, damit der Einstellknopf nach oben zeigt. Der Einstellknopf, sowie die Seite der Welle an welcher die Wellenfedern angeschraubt waren, zeigen also nach vorne. Der Motor sollte immer auf der Seite des Fensters sein, an welcher später der Schalter ist. Kabel dürfen nicht im Rollladenkasten „querverlegt“ werden.

5. Schritt: Welle einsetzen

Die Welle nun zuerst in das Motorlager einsetzen und dann die Walzenkapsel soweit herausziehen bis die Welle breit genug ist, damit beide Enden komplett im Lager sitzen. Die Walzenkapsel nun mit 2-3 Schrauben festschrauben, so dass die Welle nicht durchhängt. Danach mit einer Wasserwage überprüfen ob die Welle gerade ist. Falls vom Hersteller vorgesehen den Motor mit dem Splint gegen das herausrutschen aus dem Lager sichern. Danach die Wellenfedern wieder anschrauben. Vorsicht: Die Federn welche in Höhe des Motors festgeschraubt werden müssen, dürfen nicht mit den vorhandenen Schrauben festgeschraubt werden. Diese sind zu lange und würden am Motor schleifen. Entweder kürzere Blechschrauben nutzen, oder die vorhandenen kürzen. Ich Habe die Wellenfedern auf Höhe des Motors festgenietet.

6. Schritt: Funktionstest und Endpunkte setzen

Mit dem Setzkabel nun den Rollladen hoch und runterfahren um zu sehen ob der Panzer irgendwo hängt. Möglicherweise sind einzelne Glieder des Panzers verrutscht. Diese kann man einfach hin und her schieben. Der Panzer sollte gerade aufgewickelt werden und in keiner Führung schleifen. Danach die Endpunkte für oben und unten setzen. Dies ist je nach Modell des Motors der Anleitung zu entnehmen.

7. Schritt. Kabel aus dem Kasten führen

Natürlich wäre es am sinnvollsten einfach ein Loch in den Balken zu bohren. Aber die heilige Ausbaueinleitung besagt: Balken dürfen weder ausgeklinkt noch angebohrt werden. Nunja, ich bin kein Statiker, glaube auch nicht das hier viel passieren würde, aber sicher ist sicher. Daher habe ich mit einer Säge einfach eine Aussparung die die Spanplatten gesägt, das Kabel hindurchgelegt und diese dann mit Bauschaum wieder ausgefüllt (sieh Bild). Das Loch mit Silikon abdichten wäre auch noch eine Möglichkeit. Bei dieser Methode muss auch eine Aussparung in das halbrunde Styroporseitenteil der Dämmung geschnitten werden. Wahrscheinlich gibt es noch andere tollere Methoden.

8.Schritt: Fermacell-Platte wieder anbringen.

Vor dem Aufsetzen der Fermacell-Platte noch eine dünne Schicht Silikon auf die Innenseite, welche auf dem Kasten aufliegt aufbringen, so dass sie abgedichtet ist. Ich gehe davon aus, dass die Platte im Werk mit irgend einem Spezialkleber festgeklebt wurde. Möglicherweise auch nur mit Heißkleber. Fensterbauer mögen mich hier gerne aufklären. Zumindest habe ich das Gefühl, dass der Kasten so wieder winddicht ist. Zum Schluss die Fermacell-Platte noch mit ein paar Stahlstiften (keine normalen Nägel, die rosten nämlich durch) wieder befestigen. Styropor-Dämmung rein, Revisionsklappe drauf und wir sind fertig.

Mit Kabelverlegung habe ich rund 2,5 Tage für 12 Fenster gebraucht. Das erste hat etwas länger gedauert, bei einem hatte ich schon alles verbaut um zu merken, dass der Motor auf der falschen Seite ist. Materialkosten liegen bei etwa 600€ für Motoren, 300€ für 12 Schalter (Jung AS 500 Jalousieschalter, Wippe, Rahmen) und 80€ für NYM-Kabel. Wer Funk-Schnikschnak haben will, oder wegen einer Zentralsteuerung Dosen mit Nebeneingang und NYM und dementsprechend 5×1,5 Kabel nutzt, kommt natürlich etwas teurer, aber immer noch weit weg von 4200€.

2 Kommentare

  1. Tolle Anleitung, Danke!
    Viele Grüße
    Alexander

  2. Patrick Martin 23. März 2015 um 22:43

    Schön 🙂 Hab die identischen Motoren und laufen nun bald 2 Jahre ohne Probleme. Weiter machen 😉

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